01 / Geschichte

Vom Gasthof zum
Kulturzentrum.

Spuren aus acht Jahrhunderten, sichtbar in Mauern, Gewölben und Geschichten.

Ein Stück
Dorfgeschichte.

Das ehemalige Gasthaus „Zum Erbgericht“ ist mehr als ein Gebäude. Es ist ein Gedächtnisort für Reinhardtsgrimma — und ein lebendiger Treffpunkt für die Gegenwart.

Der gemeinnützige Verein Kulturzentrum Erbgericht e.V. bewahrt dieses denkmalgeschützte Haus und entwickelt es behutsam weiter. Für Ausstellungen, Feiern, Vorträge, Theater und Begegnungen.

Mehr über den Verein
1513Erste Erwähnung
in der Ortschronik
800Jahre Ortsgeschichte
in Reinhardtsgrimma
280Plätze im
großen Saal
Historische Ansicht des Erbgerichts von 192801 / Das Erbgericht im Jahr 1928

Wie in vielen sächsischen Dörfern gibt es auch in Reinhardtsgrimma ein Erbgericht. Das Dorf — heute ein Ortsteil der Stadt Glashütte — ist bekannt für die von Gottfried Silbermann erbaute Orgel in der Dorfkirche und das Barockschloss. Für den Ort selbst ist das ehemalige Gasthaus „Zum Erbgericht“ das wichtigste Gebäude.

Seine Wurzeln reichen bis zur Ortsgründung zurück. In der Ortschronik wird der Kretscham erstmals 1513 erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte hat das Haus viele Wandlungen erlebt, die heute nur noch aus Chroniken, Zeichnungen und seiner Bausubstanz abzulesen sind.

Die Mittelmühle steht noch am gleichen Ort wie der alte Gasthof. Die heutige Schenke wurde wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf den Fundamenten des älteren Gasthauses neu erbaut. Um 1830 erhielt sie durch Georg Konrad Ruschenbusch ihre letzte große Fassung und wurde im 19. Jahrhundert weiter verändert.

18. Jahrhundert

Stein statt Fachwerk

Nach zahlreichen Bränden wurden neue Häuser mit starken Brandmauern, steinernen Giebeln und Gewölben für Küchen und Ställe vorgeschrieben. Die dicken Außenwände und Kreuzgewölbe des Erbgerichts erzählen von dieser Zeit.

1830 – 1958

Gasthof und Mittelpunkt

Gaststube, Tanzsaal, ein auf Sandsteinsäulen überwölbter Stall und Nebengebäude machten das Haus zum Mittelpunkt des Dorflebens. Die Bauabschnitte wurden immer wieder zusammengefügt.

1958 / 59

Das zweite Leben

Die Konsumgenossenschaft ließ das Gebäude durch Dr.-Ing. Peter Wendt umfassend umbauen: Landwarenhaus, Gaststube, Mehrzwecksaal mit Kino, Lebensmittel- und Industriewarenverkauf.

1994 – 2005

Leerstand und Gefahr

Nach der Insolvenz des Konsums stand das Haus zehn Jahre leer. Wasser und Vandalismus beschädigten die Konstruktion. Es drohte der Abriss.

Seit 2005

Gemeinsam bewahren

Der gemeinnützige Verein Kulturzentrum Erbgericht e.V. kaufte das Gebäude für einen symbolischen Euro und machte es Schritt für Schritt wieder nutzbar.

2019 – 2020

Sanierung für morgen

Mit LEADER-Förderung, einem Darlehen der Stadt Glashütte und viel Eigenleistung wurden Dach, Saaldecke, Lüftung, Brandschutz und Akustik grundlegend verbessert.

Heute ein Ort
für Begegnung.

Ein Haus wird lebendig durch die Menschen, die es nutzen. Zwischen Konzert, Tanztee, Pilzausstellung und Familienfeier ist im Erbgericht vieles möglich.

Aktuelle Termine
Der große Saal des Erbgerichts

Bewahren heißt
weiterbauen.

Ein ausführlicher Rückblick auf die Sanierung und die Entwicklung des Hauses.

Das moderne Bauen kennt für Gebäude oft nur eine Kennzahl: die Rentabilität. Wenn der kostendeckende Betrieb nicht mehr gegeben ist, scheint das Schicksal besiegelt. Doch es gibt Gebäude, deren Schönheit, Bedeutung und Stellung im Ort so wichtig sind, dass sie über Generationen erhalten und immer wieder angepasst werden.

Das Erbgericht gehört zu diesen Häusern. Sein erstes Leben war das Gehöft des Erbrichters — ein Bauernhof mit der Aufgabe, der niederen Gerichtsbarkeit zu dienen. Der Richter hatte das Privileg, Bier auszuschenken; so entstand die erste Schänke im Ort.

Nach 1945 veränderte sich der Anspruch an den zentralen Mittelpunkt des Ortes. Die Konsumgenossenschaft kaufte das Gebäude 1958 und machte es zum Landwarenhaus und Kulturzentrum. Die großen Schaufenster und Saalfenster galten damals als modern, veränderten den Charakter des ortsbildprägenden Gebäudes aber stark.

Nach der Wende zog sich der Konsum zurück. Der Verein kaufte das leerstehende Gebäude 2005 und begann mit geringen Mitteln, Spenden, freiwilligen Handwerkerleistungen und Förderungen, den Bau wieder nutzbar zu machen.

Die große Sanierung von 2019 und 2020 war schließlich nur durch eine LEADER-Förderung möglich. Über 900 Quadratmeter Dachfläche wurden erneuert, eine Blitzschutzanlage installiert und die alte Saaldecke durch eine brandsichere, gedämmte Konstruktion ersetzt.

Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung verbessert heute die Luftqualität und die Energieeffizienz. Hinzu kamen neue Brandschutztüren, Notbeleuchtung, Arbeiten an Elektrik und Akustik sowie eine Bildleinwand an der Bühne.

So steht das Erbgericht heute in seinem dritten Lebensabschnitt als moderne Begegnungsstätte der Stadt Glashütte und ihrer Ortsteile zur Verfügung. Erbgerichtsverein, Heimatverein, Pilzmuseum, Café Ruschenbusch, Säulensaal und großer Festsaal sind unter einem Dach vereint.

Der Verein bleibt auf Spenden, Mitglieder, Helfer und Gäste angewiesen. Denn die Veranstaltungen decken in der Regel nur die laufenden Ausgaben — der Erhalt eines solchen Hauses gelingt nur gemeinsam.

Sanierung des ErbgerichtsArbeiten am Dach des ErbgerichtsSanierung im Erbgericht
Ein Gebäude wird erhalten und ein Dorf wird auf diese Weise seine Gestalt bewahren können.
— Prof. Dr. Jürgen Roloff

Bitte helfen
Sie uns.

Das Erbgericht steht aufgrund seiner Geschichte und als ortsbildgestaltendes Gebäude unter Denkmalschutz. Mit Ihrer Spende helfen Sie, diesen Ort für kommende Generationen zu erhalten.

SpendenkontoIBAN DE 41 8505 0300 3200 0190 84BIC OSDDDE81XXXVermerk: Spende für Erbgericht Reinhardtsgrimma

Spendenquittungen werden auf Anforderung zugeschickt. Natürlich freuen wir uns auch über neue Mitglieder.

Mitglied werden