Stein statt Fachwerk
Nach zahlreichen Bränden wurden neue Häuser mit starken Brandmauern, steinernen Giebeln und Gewölben für Küchen und Ställe vorgeschrieben. Die dicken Außenwände und Kreuzgewölbe des Erbgerichts erzählen von dieser Zeit.
01 / Geschichte
Spuren aus acht Jahrhunderten, sichtbar in Mauern, Gewölben und Geschichten.
Das ehemalige Gasthaus „Zum Erbgericht“ ist mehr als ein Gebäude. Es ist ein Gedächtnisort für Reinhardtsgrimma — und ein lebendiger Treffpunkt für die Gegenwart.
Der gemeinnützige Verein Kulturzentrum Erbgericht e.V. bewahrt dieses denkmalgeschützte Haus und entwickelt es behutsam weiter. Für Ausstellungen, Feiern, Vorträge, Theater und Begegnungen.
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01 / Das Erbgericht im Jahr 1928Wie in vielen sächsischen Dörfern gibt es auch in Reinhardtsgrimma ein Erbgericht. Das Dorf — heute ein Ortsteil der Stadt Glashütte — ist bekannt für die von Gottfried Silbermann erbaute Orgel in der Dorfkirche und das Barockschloss. Für den Ort selbst ist das ehemalige Gasthaus „Zum Erbgericht“ das wichtigste Gebäude.
Seine Wurzeln reichen bis zur Ortsgründung zurück. In der Ortschronik wird der Kretscham erstmals 1513 erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte hat das Haus viele Wandlungen erlebt, die heute nur noch aus Chroniken, Zeichnungen und seiner Bausubstanz abzulesen sind.
Die Mittelmühle steht noch am gleichen Ort wie der alte Gasthof. Die heutige Schenke wurde wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf den Fundamenten des älteren Gasthauses neu erbaut. Um 1830 erhielt sie durch Georg Konrad Ruschenbusch ihre letzte große Fassung und wurde im 19. Jahrhundert weiter verändert.
Nach zahlreichen Bränden wurden neue Häuser mit starken Brandmauern, steinernen Giebeln und Gewölben für Küchen und Ställe vorgeschrieben. Die dicken Außenwände und Kreuzgewölbe des Erbgerichts erzählen von dieser Zeit.
Gaststube, Tanzsaal, ein auf Sandsteinsäulen überwölbter Stall und Nebengebäude machten das Haus zum Mittelpunkt des Dorflebens. Die Bauabschnitte wurden immer wieder zusammengefügt.
Die Konsumgenossenschaft ließ das Gebäude durch Dr.-Ing. Peter Wendt umfassend umbauen: Landwarenhaus, Gaststube, Mehrzwecksaal mit Kino, Lebensmittel- und Industriewarenverkauf.
Nach der Insolvenz des Konsums stand das Haus zehn Jahre leer. Wasser und Vandalismus beschädigten die Konstruktion. Es drohte der Abriss.
Der gemeinnützige Verein Kulturzentrum Erbgericht e.V. kaufte das Gebäude für einen symbolischen Euro und machte es Schritt für Schritt wieder nutzbar.
Mit LEADER-Förderung, einem Darlehen der Stadt Glashütte und viel Eigenleistung wurden Dach, Saaldecke, Lüftung, Brandschutz und Akustik grundlegend verbessert.
Ein Haus wird lebendig durch die Menschen, die es nutzen. Zwischen Konzert, Tanztee, Pilzausstellung und Familienfeier ist im Erbgericht vieles möglich.
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Ein ausführlicher Rückblick auf die Sanierung und die Entwicklung des Hauses.
Das moderne Bauen kennt für Gebäude oft nur eine Kennzahl: die Rentabilität. Wenn der kostendeckende Betrieb nicht mehr gegeben ist, scheint das Schicksal besiegelt. Doch es gibt Gebäude, deren Schönheit, Bedeutung und Stellung im Ort so wichtig sind, dass sie über Generationen erhalten und immer wieder angepasst werden.
Das Erbgericht gehört zu diesen Häusern. Sein erstes Leben war das Gehöft des Erbrichters — ein Bauernhof mit der Aufgabe, der niederen Gerichtsbarkeit zu dienen. Der Richter hatte das Privileg, Bier auszuschenken; so entstand die erste Schänke im Ort.
Nach 1945 veränderte sich der Anspruch an den zentralen Mittelpunkt des Ortes. Die Konsumgenossenschaft kaufte das Gebäude 1958 und machte es zum Landwarenhaus und Kulturzentrum. Die großen Schaufenster und Saalfenster galten damals als modern, veränderten den Charakter des ortsbildprägenden Gebäudes aber stark.
Nach der Wende zog sich der Konsum zurück. Der Verein kaufte das leerstehende Gebäude 2005 und begann mit geringen Mitteln, Spenden, freiwilligen Handwerkerleistungen und Förderungen, den Bau wieder nutzbar zu machen.
Die große Sanierung von 2019 und 2020 war schließlich nur durch eine LEADER-Förderung möglich. Über 900 Quadratmeter Dachfläche wurden erneuert, eine Blitzschutzanlage installiert und die alte Saaldecke durch eine brandsichere, gedämmte Konstruktion ersetzt.
Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung verbessert heute die Luftqualität und die Energieeffizienz. Hinzu kamen neue Brandschutztüren, Notbeleuchtung, Arbeiten an Elektrik und Akustik sowie eine Bildleinwand an der Bühne.
So steht das Erbgericht heute in seinem dritten Lebensabschnitt als moderne Begegnungsstätte der Stadt Glashütte und ihrer Ortsteile zur Verfügung. Erbgerichtsverein, Heimatverein, Pilzmuseum, Café Ruschenbusch, Säulensaal und großer Festsaal sind unter einem Dach vereint.
Der Verein bleibt auf Spenden, Mitglieder, Helfer und Gäste angewiesen. Denn die Veranstaltungen decken in der Regel nur die laufenden Ausgaben — der Erhalt eines solchen Hauses gelingt nur gemeinsam.



Ein Gebäude wird erhalten und ein Dorf wird auf diese Weise seine Gestalt bewahren können.— Prof. Dr. Jürgen Roloff
Das Erbgericht steht aufgrund seiner Geschichte und als ortsbildgestaltendes Gebäude unter Denkmalschutz. Mit Ihrer Spende helfen Sie, diesen Ort für kommende Generationen zu erhalten.
Spendenquittungen werden auf Anforderung zugeschickt. Natürlich freuen wir uns auch über neue Mitglieder.
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