In Reinhardtsgrimma, bekannt durch seine Silbermannorgel in der Dorfkirche und durch das vom Sächsischen Staatsministerium genutzte Barockschloss gibt es ein drittes, für den Ort wichtiges Gebäude :Das ehemalige Gasthaus „Zum Erbgericht“.

Dieses historische Gasthaus, dessen Wurzeln auf die jetzt 800 Jahre zurückliegende Ortsgründung zurückgehen, hat im Laufe der Jahrhunderte viele Wandlungen durchgemacht, die heute nicht mehr sichtbar sind. Nur aus den Chroniken kann man entnehmen, daß der zum Rittergut gehörende Kretscham bei den häufigen Besitzerwechseln des Gutes immer eine Rolle spielte. In einem alten Erbregister von 1624 heißt es: „Die Mittelmühle Obig der Schencke…“ Die Mittelmühle, heute Bäckerei und Mühle, steht noch am gleichen Ort, ebenso also der alte Gasthof.

Die Baugeschichte des Hauses ist noch nicht aufgearbeitet. Das jetzige Gebäude ,1830 durch den damaligen Besitzer des Rittergutes Georg Konrad Ruschenbusch auf den alten Fundamenten errichtet, ist im 19.Jahrhundert mehrfach umgebaut worden.

Es enthielt eine Gaststube einen Tanzsaal einen auf Sandsteinsäulen überwölbten Stall und diverse Nebengebäude wie eine im Flurbuch von 1875 zu findende Skizze zeigt. Die letzten Besitzerin, Frau Iltsche, verkaufte das Anwesen an die Konsumgenossenschaft, die es 1958/59 durch den Architekten Dr.-Ing. Peter Wendt umfassend umbauen lies. Aus dem Dorfgasthof mit Fleischerei wurde ein Landwarenhaus mit Industriewarenverkaufsstelle, Lebensmittel-verkaufsstelle,Gaststube, Mehrzwecksaal mit Kinovorführmöglichkeit und Gesellschaftsräumen.


Die damit verbundenen Umbauten waren der bisher größte Eingriff in die Bausubstanz, obwohl der Bestand weitgehend erhalten werden sollte. Nach außen hin dokumentiert sich dieser Umbau vor allem in den großen Fensterveränderungen. Da sind die großen Schaufenster eines Lebensmitteladens, die Vitrinenfenster eines Industriewarenladens und die vergrößerten Saalfenster, die den dörflichen Rahmen sprengen. Aber in dieser Form war der Konsum das wichtigste gesellschaftliche Zentrum des Ortes und viele Einwohner erinnern sich noch heute gern an die Tanzvergnügungen und Feste im großen Saal des Obergeschosses.